Kein Glück bleibt für immer. Aber auch keine schwere Zeit dauert ewig.
Alles, was kommt, befindet sich bereits im Wandel.
📖 Die Geschichte
Vor langer Zeit lebte ein mächtiger König.
Er besaß große Paläste, fruchtbare Länder und eine starke Armee. Viele
Menschen bewunderten ihn, und an seinem Hof fehlte es weder an Reichtum
noch an Unterhaltung.
Doch der König war innerlich unruhig.
Wenn sein Reich eine Schlacht gewann, wurde er übermütig. Er glaubte,
seine Macht könne niemals enden.
Wenn ihn dagegen eine schlechte Nachricht erreichte, verlor er alle
Hoffnung. Schon ein kleiner Rückschlag ließ ihn glauben, sein ganzes
Leben sei gescheitert.
Eines Tages rief er die weisesten Menschen seines Reiches zu sich.
„Ich suche einen Satz“, erklärte er, „der immer wahr ist.“
Die Weisen sahen einander fragend an.
Der König fuhr fort:
„Wenn ich traurig und verzweifelt bin, soll dieser Satz mir Mut geben.
Wenn ich glücklich und stolz bin, soll er mich daran erinnern, nicht
überheblich zu werden.“
„Er soll in guten wie in schlechten Zeiten gelten.“
Die Weisen baten um einige Tage Zeit.
Sie suchten in alten Schriften, berieten sich miteinander und verwarfen
viele kluge Antworten.
Schließlich kehrten sie zum König zurück.
Einer von ihnen überreichte ihm einen schlichten Ring. Auf seiner
Innenseite waren wenige Worte eingraviert.
„Tragt diesen Ring immer bei Euch“, sagte der Weise. „Doch lest die
Inschrift besonders dann, wenn Ihr glaubt, alles verloren oder alles
gewonnen zu haben.“
Der König betrachtete die Worte.
Auch dies wird vorübergehen.
Zunächst erschienen ihm die Worte fast zu einfach.
Doch einige Zeit später wurde sein Heer geschlagen. Der König musste mit
wenigen Begleitern fliehen.
Verzweifelt glaubte er, sein Reich und seine Zukunft seien für immer
verloren.
Da spürte er den Ring an seiner Hand.
Er las die Inschrift und erkannte, dass auch diese schwere Stunde nicht
ewig dauern würde.
Er sammelte neuen Mut, ordnete seine Gedanken und begann, sein Reich
wiederaufzubauen.
Jahre später feierte das Volk einen großen Sieg. Der König saß auf seinem
Thron, umgeben von jubelnden Menschen.
Stolz dachte er, nichts könne seine Macht mehr erschüttern.
Wieder fiel sein Blick auf den Ring.
Er las dieselben Worte und verstand, dass auch Ruhm, Macht und Freude
nicht festgehalten werden konnten.
Von diesem Tag an begegnete er Niederlagen mit mehr Hoffnung und Erfolgen
mit mehr Bescheidenheit.
📌 Auf einen Blick
💡 Die Kernaussage
Nichts im Leben bleibt unverändert. Weder Schmerz noch Freude, weder
Niederlage noch Erfolg besitzen Dauer.
Diese Erkenntnis kann uns in schweren Zeiten Hoffnung schenken und uns
in glücklichen Zeiten daran erinnern, dankbar und bescheiden zu bleiben.
🌱 Was wir daraus mitnehmen können
In schwierigen Momenten fühlen wir uns manchmal, als werde sich unsere
Lage niemals wieder verändern. Umgekehrt behandeln wir glückliche Zeiten
schnell so, als hätten wir einen dauerhaften Anspruch auf sie.
Der Ring des Königs erinnert uns daran, dass beide Sichtweisen täuschen.
Das Leben bewegt sich in Phasen. Wer das versteht, kann ruhiger mit seinen
Höhen und Tiefen umgehen.
In schweren Zeiten Hoffnung bewahren
Eine belastende Situation ist nicht automatisch endgültig. Auch sie kann
sich verändern und eines Tages zurückliegen.
Erfolge mit Bescheidenheit annehmen
Erfolg ist wertvoll, aber nicht dauerhaft garantiert. Dankbarkeit schützt
uns davor, überheblich zu werden.
Veränderungen nicht bekämpfen
Wenn wir Vergänglichkeit als Teil des Lebens annehmen, müssen wir weder
schöne Augenblicke festhalten noch schwierige Augenblicke fürchten.
Frage zur Reflexion
Welche Situation erscheint dir gerade endgültig – und was würde sich
verändern, wenn du dir sagst: Auch dies wird vorübergehen?

30 ausgewählte asiatische Weisheiten
Auf der Webseite veröffentlichen wir bewusst nur eine Auswahl. Das erste Buch vereint 30 sorgfältig ausgewählte Geschichten mit Hintergründen, Kernaussagen und Denkanstößen.
Mehr über das Buchprojekt erfahren →